January 23, 2026
Am 17. Dezember 2025 waren von der Allianz für Pflegekinder Ulrike Hinrichs, Susanne Litzel und Christian Clasen zum Thema: „Pflegekinder zwischen Familie und Staat“ als Expert:innen zur 8. Sitzung der Kinderkommission des Deutschen Bundestages eingeladen. In der Kinderkommission sitzen Vertreter..
Am 17. Dezember 2025 waren von der Allianz für Pflegekinder Ulrike Hinrichs, Susanne Litzel und Christian Clasen zum Thema: „Pflegekinder zwischen Familie und Staat“ als Expert:innen zur 8.Sitzung der Kinderkommission des Deutschen Bundestages eingeladen. In der Kinderkommission sitzen Vertreter:innen aller dem Bundestag angehörenden Fraktionen.
Alle anwesenden Expert:innen waren sich darin einig, dass es erheblich mehr Erwachsene braucht, die Kinder als Pflegekinder aufnehmen möchten. Denn für sehr viele Kinder und Jugendliche in Not finden sich keine Pflegeeltern: Zwar leben derzeit bereits rund 90.000 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien, aber noch rund 130.000 Minderjährige in Kinderheimen und Wohngruppen.
Allein im Jahre 2024 gab es laut Statistischem Bundesamt ca. 68.000 Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdung. Rund 33% aller Betroffenen waren jünger als 12 Jahre alt, rund 11% sogar jünger als 3 Jahre. In mehr als 15.000 Fällen erging zugleich ein teilweiser Entzug des Sorgerechts der leiblichen Eltern, in 7.400 Fällen erfolgte dies sogar vollständig und dauerhaft.
Weniger als 5% der Pflegekinder kehren in die Ursprungsfamilie zurück
In der Kinderkommissionwaren sich alle Anwesenden darin einig, dass Pflegefamilien und Pflegekinder in der Öffentlichkeit ein besseres Image verdienen. Bislang ziehen beispielsweise eher wenige Erwachsene mit Kinderwunsch für sich grundsätzlich in Betracht, Pflegekinder aufzunehmen.
Jene Erwachsene haben zudem oftmals die Sorge, dass Pflegekinder eine Pflegefamilie über kurz oder lang wieder verlassen müssen. Das Gesetz sieht eine Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in die Ursprungsfamilie zwar vor - wenn das Kindeswohl es erlaubt. In der Realität aber ist eine Rückführung von Pflegekindern in ihre leibliche Familie selten. Untersuchungen der Universität Siegen dokumentieren, dass weniger als 5% der Pflegekinder in ihre Ursprungsfamilie zurückkehren.
Alternative „Pflegeeltern-Adoption“
Die Chance, ein unbekanntes Kind adoptieren zu können, ist in Deutschland eher gering. 2024 gab es bundesweit rund 3.600 Adoptionen. Nur rund 900 Adoptionen davon waren sogenannte „Fremd-Adoptionen“, also Adoptionen ohne leiblichen Elternteil. In rund 2.700 Fällen wurden Kinder und Jugendliche von der Stiefmutter bzw. vom Stiefvater adoptiert („Stiefeltern-Adoption“).
In Deutschland haben wir derzeit eine paradoxe Situation: Einerseits gibt es erheblich mehr Kinder, für die (Pflege-)Eltern gesucht werden als Erwachsene, die (Pflege-)Kinder aufnehmen möchten. Andererseits gibt es einen großen Überhang an Erwachsenen, die ein Kind adoptieren möchten, gegenüber der Anzahl an Kindern, die zur Adoption freigegeben sind.
Es gibt erste wissenschaftliche Untersuchungen zu „Pflegeeltern-Adoptionen“ - also zu Adoptionen von Pflegekindern durch ihre Pflegeeltern. Hierbei handelt es sich zwar ebenfalls um Adoptionen ohne leiblichen Elternteil, aber Pflegekinder sind ihren Pflegeeltern bereits gut vertraut. Die Studien zeigen auf, dass mehr Pflegeeltern ihre Pflegekinder adoptieren als dass Pflegekinder in ihre Ursprungsfamilie zurückgeführt werden.
Für mehr Kinder eine Familie
Um mehr Eltern für Kinder und für mehr Kinder eine Familie zu finden, empfahlen die Expert:innen der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, dass
· Pflegeeltern mehr Mitwirkungs-Rechte bekommen.
· das Image von Pflegefamilien und Pflegekindern verbessert wird.
· nach einem begrenzten Zeitraum im Sinne des Kindeswohls eine endgültige Verbleib-Entscheidung angestrebt wird.
· Ämter und Behörden „Pflegeeltern-Adoptionen“ unterstützen.
· Pflegeeltern ein vereinfachtes Adoptionsverfahren ermöglicht wird.
· Pflegekinderdienste und Adoptionsvermittlungsstellen kooperieren.
Einhellig begrüßten die Expert:innen die gegenwärtigen Verfahren zur Auswahl von Pflegeeltern, bei denen diese mehrere Prüfungen durchlaufen müssen, bevor ihnen ein Pflegekind anvertraut wird.